1. Wonnig ist's, in Frühlingstagen Nach dem Wanderstab zu greifen Und, den Blumenstrauß am Hute, Gottes Garten zu durchschweifen. 2. Oben ziehn die weißen Wolken, Unten gehn die blauen Bäche, Schön in neuen Kleidern prangen Waldeshöh' und Wiesenfläche. 3. Auf die Bleiche bringt das Mädchen, Was der Winterfleiß gesponnen, Und dem Hain erzählt die Amsel, Was im Schnee sie still ersonnen. 4. Sind es auch die alten Töne, Die bekannten, längst vertrauten, Doch die Bleicherinnen lauschen Gern den süßen, lieben Lauten. 5. Gern den süßen, lieben Lauten, Die in Berg und Tal erklingen; Hirtenbub' und Köhlerknabe Horchen auf, um mitzusingen; 6. Mitzusingen frisch und freudig Nach des Winters langen Schmerzen; All die halbvergeßnen Lieder Werden wach im Menschenherzen. 7. Halbvergeßne alte Lieder Werden wach in meiner Seele: Hätt' ich nur, sie auszusingen, Wilde Amsel, deine Kehle! - 8. Was die Linde mir erzählte, Was der Eichenwipfel rauschte, Wenn ich abends ihrer Blätter Heimlichen Gesprächen lauschte; 9. Was die muntern Bäche schwatzten Hastig im Bergunterrennen, Wilde Knaben, die nicht schweigen Und nicht ruhig sitzen können; 10. Was die Zwerge mir vertrauten, Die in fernen Waldrevieren Still in Spalten und in Klüften Ihren kleinen Haushalt führen; 11. Was auf mondbeglänztem Anger Ich die Elben lispeln hörte; Was mich des ergrauten Steines Moosumgrünte Inschrift lehrte: 12. Dies und was ich las in staub'gen Lederbänden und in alten Halberloschnen Pergamenten, Will zum Liede sich gestalten. 13. Nebelbilder steigen dämmernd Aus der Vorzeit dunkeln Tagen; Wispern hör' ich ihre Stimmen, Freudenlaute, Zürnen, Klagen; 14. Männer, die vor tausend Sommern Durch den Nethegau geschritten, Heidenleute, Christenleute, Was sie lebten, was sie litten; 15. Eines Sachsenjünglings Kämpfe Mit dem Landesfeind, dem Franken, Und in eigner Brust die schwersten Mit den eigenen Gedanken; 16. Einer Jungfrau stilles Weinen, Einer Greisin finstres Grollen, Runensang und Racherufe, Die aus Weibermund erschollen; 17. Frommer Mönche leises Walten Im Konvent zu Dreizehnlinden, Sanft bemüht, durch Lieb' und Lehre Trotz und Wahn zu überwinden; 18. Ihre Hymnen, gottesfrohe, Die bei Tag und Nacht erklangen, Die den Sieg des Christenkreuzes Jubelnd in die Berge sangen; 19. Und darein des Waldes Rauschen Und dazu der Brandung Stöhnen: Alles will zu einem Liede Dumpf und hell zusammentönen. 20. Sei's, und sei es euch gesungen, Die ihr wohnt an Ems und Lippe, Ruhr und Diemel, Neth' und Emmer: Alle seid ihr edler Sippe; 21. Alle sprecht ihr eine Sprache, Frommer Mutter biedre Söhne, Ob sie rauh im Waldgebirge, Weich in Sand und Heid' ertöne. |
22. Kinder ihr der Sachsengaue, Nehmt das Beste, was ich habe: Gern gereicht, ist unverächtlich Auch des kleinern Mannes Gabe. 23. Denkt, ich böt' euch Heideblumen, Eine Handvoll, die ich pflückte, Als mit herbstlich gelbem Laube Sich bereits der Osning schmückte. 24. Rügt es nicht, wenn ich den Helden In der Heimat Farben male; Dünkt er manchmal euch ein Träumer, Nun, er war ja ein Westfale: 25. Zäh, doch bildsam, herb, doch ehrlich, Ganz wie ihr und euresgleichen, Ganz vom Eisen eurer Berge, Ganz vom Holze eurer Eichen. 26. Heut noch ist bei euch wie nirgend Väterbrauch und Art zu finden; Darum sei es euch gesungen, Dieses Lied von Dreizehnlinden. 27. Doch ein Uhu murrt dawider: »Rauh sind deines Sanges Töne, Und der Netheborn, der dunkle, Deucht mir keine Hippokrene. 28. Laß das Leiern, laß das Klimpern! O es schafft dir wenig Holdes; Beßres Klingen, bestes Klingen Scheint das Klingen mir des Goldes. 29. Und die eigne Haut zu pflegen, Ist vor allem mir das erste; Bau im Garten deine Rüben, Bau im Felde deine Gerste! 30. Laß die schimmligen Scharteken Unterm Kessel rasch verrauchen: Kohlen sind's, die wir bedürfen, Dämpfe sind's, die wir gebrauchen! 31. All den Wust papierner Träume, Grubenschätze, die vermodern, Daß sie endlich nützlich werden, Unterm Kessel, laß sie lodern! 32. Nur das Einmaleins soll gelten, Hebel, Walze, Rad und Hammer; Alles andre, öder Plunder, Flackre in der Feuerkammer. 33. Mag es flackern, mag es flammen, Daß die Wasser sprühn und zischen Und der Welt zerrißne Stämme Hastig durcheinandermischen; 34. Denn das große Ziel der großen Zukunft ist die Einerleiheit, Schrankenloseste Bewegung Ist die wahre Völkerfreiheit. 35. Laß das Klimpern, laß das Leiern, Wer erfreut sich solchen Schalles? Beßres Klingen, bestes Klingen Ist das Klingen des Metalles.« - 36. Gelber Neidhart, alter Uhu, Wohl versteh' ich deine Meinung: Bist du doch der seelenfrohen Gotterlösten Welt Verneinung! 37. O du möchtest sie im Mörser Erst zerstäuben und zerreiben, Um in Tiegel und Retorte Dann den Geist ihr auszutreiben! 38. O du würfst sie in die Arme Gern dem Moloch unsrer Tage, Daß sie ganz in Rauch zergehe Nach Sibyllenwort und Sage! 39. Alter Uhu, gelber Neidhart, Mag's dich ärgern und verdrießen: Dennoch grünt ein reicher Garten, Wo der Menschheit Rosen sprießen; 40. Dennoch blüht die weiße Lilie, Und im Grottenheiligtume, In des Waldes fernstem Tale Träumt die stille blaue Blume. 41. Dennoch klingt es aus den Lüften, Aus des Haines Dämmerungen, Und die Amsel hat ihr letztes Lied noch lange nicht gesungen; 42. Und die Nachtigall im Busen, Sie wird jubeln, sie wird klagen Jeden Lenz, solang auf Erden Rosen glühn und Herzen schlagen. |
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