Wer große Wunder schauen will

Melodie - Weise und Text aus dem 16. Jahrhundert

Nach einem alten Manuscript im Besitz der Freiin v. Laßberg

1. Wer große Wunder schauen will,
der gang in grünen Wald ussie.
Tannhuser war ein Ritter gut,
groß Wunder wollt' er schauen.

2. Wann er in grünen Wald
uß käm zu den schönen Jungfrauen,
sie fingen an einen langen Tanz,
ein Jahr war ihnen eine Stunde.

3. "Tannhuser, lieber Tannhuser mein,
wollt ihr bei uns verbleiben,
ich will euch die jüngste Tochter
geben zu einem ehelichen Weibe."

4. "Eure jüngste Tochter will ich nit,
die treit den Teufel in ihre,
ich sehs an ihr braunen Augen an,
wie er in ihr tut brennen."

5. Frau Frene hat einen Feigenbaum,
darunter leit er sich schlafen,
es kam ihm für in seinem Traum,
von Sünden sollt er lassen.
  6. Tannhuser stand wohl uf zur Stund,
er wollt gen Rome bichten,
wann er gen Rom wohl inne käm,
war er mit blutten Füßen.

7. Wann er gen Rom wohl inne käm,
war er mit blutten Füßen.
Da fiel er nieder auf seine Knie,
seine Sünden wollt er abbüßen.

8. Der Papst treit einen Stecken in seiner Hand,
vor dürre tut er spalten.
"So weg werden dir dein Sünden nachgelan,
so weng, daß dieser Stab grünet!"

9. Er kneuet für das Kreuzaltar
mit ausgespannten Armen:
"Ich bitte dich, Herr Jesu Christ,
du wollest meiner erbarmen."

10. Tannhuser ging zur Kirche uß
mit seinem verzagten Herzen:
"Gott is mir allzeit gnädig gsi,
jetzt muß ich von ihm lassen."

11. Wann er für Tor hin usse käm,
begegnete ihm üs lieber Fraue.
"Behüt dich Gott, du reine Magd,
dich darf ich nimmer anschaue!"


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