Ick wet mi eine schone maget

Melodie -

Ludwig Uhlands „Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder,“ 1844

1. Ick wet mi eine schone maget
de minem herten wol behaget,
ick neme se gerne to wive:
konde se mi van haverstro
spinnen de kleinen siden.

2. "Schold ick di van haverstro
spinnen de kleinen siden,
so schaltu mi van lindkenloef
ein nie par kleider schniden."

3. Schal ick di van lindkenloef
ein nie par kleider schniden,
so schaltu mi de schere halen
to middewerts ut dem Rine.

4. "Schal ick di de schere halen
to middewerts ut dem Rine,
so schaltu mi ein brugge schlaen
van einem kleinen rise."

5. Schal ick di ein brugge schlaen
van einem kleinen rise,
so schaltu mit dat sövensterne
to hogen middage wisen.

6. "Schal ick di dat sövensterne
to hogen middage wisen,
so schaltu mi de glasen borch
mit einem perd upriden."

7. Schal ick di de glasen borch
mit einem perd upriden,
so schaltu mi de sparen schlaen
wol van dem gladden ise.

8. "Schal ick di de sparen schlaen
wol van dem gladden ise,
so schaltu se aver din vöte dragen
am heten sonnenschine."

9. Schal ick se aver min vöte dragen
am heten sonnenschine,
so schaltu mi eine schwepe dreien
van water und van wine.

10. "Schal ick di eine schwepe dreien
van water und van wine,
so schaltu mi de grauen stein
to kleinen peper wriven."

11. Schal ick di de grauen stein
to kleinen peper wriven,
so schaltu mi alle wilde schwin
in einen kaven driven.

12. "Schal ick di alle de wilden schwin
in einen kaven driven,
so schaltu mi din moder geven
vor junkfruw to einem wive."

13. Schal ick di min moder geven
vor maget to einem wive,
so schaltu hengen söwen jaer
und wedder werden to live;
de düvel ut der hellen grunt
de kan di nicht vordriven.
    Uhland: ". . . folgendes zur Probe" :
Ich weiß mir eine schöne Maid,
ich nähme sie gern zu Weibe,
könnte sie mir von Haberstroh
spinnen die feine Seide.

"Soll ich dir von Haberstroh
spinnen die kleine (d. i. feine) Seide,
so sollt du mir von Lindenlaub
ein neu Paar Kleider schneiden."

Soll ich dir von Lindenlaub
ein neu paar Kleider schneiden,
so sollt du mir die Schere holn
zu mitten aus dem Rheine.

"Soll ich dir die Schere holn
zu mitten aus dem Rheine,
so sollt di mir eine Brücke schlagen
von einem kleinen Reise."

Soll ich dir eine Brücke schlagen
von einem kleinen Reise,
so sollt du mir das Siebengestirn
am hohen Mittag weisen.

"Soll ich dir das Siebengestirn
am hohen Mittag weisen,
so sollt du mir die Glasenburg
mit einem Pferd aufreiten."

Soll ich dir die Glasenburg
mit einem Pferd aufreiten,
so sollt du mir die Sporen schlagen
wohl von dem glatten Eise.

"Soll ich dir die Sporen schlagen
wohl von dem glatten Eise,
so sollt du sie über die Füße tragen
am heißen Sonnenscheine."

Soll ich sie über die Füße tragen
am heißen Sonnenscheine,
so sollt du mir eine Peitsche drehn
von Wasser und von Weine.


Uhlands Quelle:
Hans Detleffs dithmars. histor. Relation, angef. 1634, Handschr. in Fol. auf der Univers.-Bibl. zu Kiel, Bl. 26. --- Handschr. desselben Werkes auf der Wolfenbüttler Bibl., abschriftl. durch D. H. Leyser. --- Vgl. Joh. Adolfis gen. Neocorus Chronik des Landes Dithmarschen, herausg. von Dahlmann, Kiel 1827. I, 180. A. Viethens Beschreib. u. Gesch. des Landes Dithm. Hamb. 1733. S. 109 f
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