Kranzsingen

Melodie -

Gesammelt von Ludwig Uhland*)

1. Hiet uß, arm und rich!
wichz mir uß dem pfad und stig
der mich zuo der hübschen jungfrouwen treit!
ach got grueß euch, hübsche jungfrouw fin,
möcht üger rosenkrenzlin min gesin!
ach so grifen höfelichen und fin
mit üger snewißen hant
uf ügers öberste horbant,
das üch so lützel berueret
und mich se ferre fueret!
so wil ich es legen in einen schrin
und wil es tragen über Rin
und wil es üch sagen zuo ere:
wie mirs die hübste jungfrouw gäbe,
die in N. lant ie wäre.

2. Ach got grueß euch, hübsche iungfrouwe fin!
möcht es noch hüt diss tages gesin,
oder fürbaß versagen mir
mit höfelichen Worten schir!

3. "Hübscher junger knab! uf mines vatter giwel
sitzen der fögelin süben:
wes die fögelin geleben,
kinnen ir mir das gesagen,
so süllent ir min rosenkrenzlin von hinnen tragen."
  4. Der erst gelebt üger jugent,
der ander üger tugent,
der dritt üger sießen eigelin blicke
der fierde ügers guotes,
der fünfte ügers muotes,
der sechste ügers stolzen libs,
der sübende ügers reinen herzen schrins;
zart jungfrouw, gen mir das rosenkrenzelin,
es ist an der zit,
oder fürbaß mir versagen
mit hübschen worten und dar an nit verzagen!

5. "Hübscher junger knab! kinnen ir mir gezeigen
den stein, den nie kein glock überschal,
nie kein hunt überbal,
nie wind überwag,
nie kein reg übersprow?
kinnen ir mir das gesagen,
so süllent ir min rosenkrenzlin von hinnen tragen."

6. Der stein lit in helles grunt
den nie kein glock überschal,
nie kein hunt überbal,
nie kein wind überwag,
nie kein reg übersproug;
zarte jungfrouwe, gebent mir das rosenkrenzelin
zuo diser stunt!


*) Uhlands Quellenanweisung:
Bruchstück einer Pap.-Handschr., 15. Jhd., Ueberschrift: "Inpetratio Serti." Mitgeteilt von Herrn D. H. Schreiber in Freiburg. Vgl. dessen Taschenbuch f. Gesch. und Altert. in Süddeutschl. Freib. im Br. 1839. S. 362 ff.

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