Es wollt ein Mann in seine Heimat reisen,
Er sehnte sich nach Weib und Kind.
|: Er aber mußte einen Wald durchstreifen,
Wo plötzlich ihn ein Räuber überfiel.
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Gib her dein Geld, dein Leben ist verloren !
Gib her dein Geld, dein Leben ist dahin !
|: Gib her dein Geld, sonst muß ich dich durchbohren,
Ich morde dich, so wahr ich Räuber bin! :|
Ich hab kein Geld, kann leider dir nichts geben,
Von Geld und Reichtum ist mir nichts bewußt;
|: Nimm hin mein Leben, will's dir gerne geben,
Ich öffne dir von selbst die blasse Brust !
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Da blieb der Räuber tief beklommen stehen
Und sprach: Zum Morden hab ich keine Lust,
|: Ach, aber ach, was muß ich bei dir sehen,
Was trägst du da auf deiner bloßen Brust?
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Es ist das Bild von meiner treuen Mutter,
Das du da trägst auf deiner bloßen Brust,
|: Ich aber muß als Räuber vor dir stehen,
Verzeih mir, Bruder, ich hab's nicht gewußt! :|
Zwölf Jahre haben wir uns nicht gesehen,
Zwölf Jahre haben wir uns nicht gekannt,
|: Und ich muß jetzt als Räuber vor dir stehen,
Der nach dem Bruder ausstreckt seine Hand! :|
In tiefem Schmerz umarmten sie sich beide.
Verzeihung! Ach, es ist schon längst geschehn !
|: Sie herzten sich und küßten sich voll Freude -
Im Morgenland kann man's noch heute sehn. :|
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